Kirchweihfest 2018

"Sie haben eine neue Heimat geschaffen"

Ehemaliger Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch predigte zu 70-jähriger Kirchweihe in St. Josef

von Frank Heuß

Mosbach 15.10.2018 Schon seit 1948 feiern die Mosbacher Donauschwaben jährlich ihr Kirchweihfest. In das 70. Jubiläum startete die Landsmannschaft mit der katholischen Seelsorgeeinheit "Mose" beim Kirchweihgottesdienst in der Kirche St. Josef am Hammerweg. Und als Hauptzelebrant hatte man sich dafür mit Robert Zollitsch den ehemaligen Freiburger Erzbischaf eingeladen, der selbst Donauschwabe ist. Die Festmess am Freitagabend hielt er im fast voll besetzten Gotteshaus gemeinsam mit den Pfarrern Dr. Stefan Rencsik und Karl Haller. Teilgenommen haben auch Landrat Dr. Achim Brötel sowie mehrere Vertreter aus kommunaler Politik und Gesellschaft

"Erzbischof Robert Zollitsch zelebrierte"

Nach dem Einzug in die Kirche mit den traditionell grün-weißen Fahnen der Landsmannschaft hieß Rencsik auch namens des Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Manfred Bopp willkommen. Dem emeritierten Erzbischof Zollitsch überließer, die Eröffnungsworte zu sprechen. "Wenn mein Cousin damals nicht Keuchhusten bekommen hätte, wäre ich wahrscheinlich mit Ihnen in Neckarzimmern gelandet" machte Zollitsch direkt seine enge persönliche Verbindung zu der Landsmannschaft deutlich. In Neckarzimmern kamen 1946 die meisten der später im Raum Mosbach heimisch gewordenen Donauschwaben mit dem Zug an, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem heutigen Ungarn sowie der Balkanregion vertrieben wurden und dabei ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Musikalisch markierte die Gesangsgruppe der Donauschwaben Mosbach den Auftakt mit heimatlichen Liedern, die häufig einen Glaubensbezug aufweisen. Nach den Schriftlesungen drehten sich die Ausführungen in der Predigt von Robert Zollitsch rund um die bewegte Geschichte der Donauschwaben, die heute auf der ganzen Welt verteilt sind.

"Sie blieben nicht stehen bei dem, was Ihnen genommen wurde"

rief er den Gottesdienstbesuchern zu: "Sie packten an und schufen eine neue Heimat", hob er die Leistung hervor, die von den Heimatvertriebenen in der Stadt Mosbach erbracht wurde. Die Hammerwegsiedlung und das gesamte Masseldorn mit der Müller-Guttenbrunn-Schule und dem Donauschwabenhaus als Herzstücke gehen auf deren Wirken zurück. Nicht zuletzt aber stehe die Kirche für die "Heimat im Glauben, die man uns nicht nehmen konnte", so Zollitsch.

"Die Kirche St. Josef"

wurde 1957 erbaut und noch im selben Jahr, am 3.November 1957, durch Weihbischof Hermann Schäufele eingeweiht. Dass das Kirchweihfest von den Donauschwaben bereits deutlich früher gefeiert wurde, als sie noch eine Behelfskirche nutzten, zeige dessen Bedeutung, bemerkte Zollitsch. Der heilige Josef sei als Namenspatron "eine gute Wahl" gewesen: Dessen Eigenschaft als fleißiger Arbeiter, der die Heimat verlassen und neu anfangen musste, spiegle manches wider. Kritisch sprach er an, dass sich die verbreitete Ansicht "aus der Geschichte genug gelernt zu haben", heute nicht mehr überall ins Europa als zutreffend erweise und "neue Mauern errichtet" würden.

"Sie haben sich damals nicht abgeschottet,

sondern Verbindungen in die weite Welt aufgebaut", lobte er die internationale Kontaktpflege der Donauschwaben. Und das verkörperte der eigens aus dem ungarischen Szigetscèp angereiste Chor, der in den traditionellen Trachten zwei Liedbeiträge zu Gehör brachte. Umrahmt wurde der Gottesdienst auch instrumental mit volkstümlichen Klängen durch die Feuerwehrkapelle Fahrenbach. Im Anschluss lud die Landsmannschaft der Donauschwaben Mosbach unter ihrem Vorsitzenden Stadtrat Anton Kindtner gemeinsam mit der Pfarrgemeinde zu einem Umtrunk in den benachbarten Pirmin-Saal ein. Das Kirchweihfest fand am Abend des darauffolgenden Samstags im Gemeindesaal von St. Cäcilia statt. Bericht dazu folgt noch.

Hier ein kleiner Streifzug in Bildern vom "Kirchweihfest 2017"
 



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